Ein Raum -
vier Orgeln
Von der Krypta bis zum Dachboden: Im Michel sind überall Orgeln zu finden. Gleich sechs Instrumente, davon vier in der Kirche, sorgen für einzigartige Klangerlebnisse. Drei von Ihnen bilden im Kirchraum mit 145 Registern die größte Orgelanlage in Norddeutschland. Damit stehen sie in einer großen Tradition, denn schon seit dem 18. Jahrhundert verfügt die Kirche über herausragende Instrumente.
Jede der heutigen Orgeln hat ihre Besonderheit – und manche ein Geheimnis. Eine Orgel lässt Röhrenglocken erklingen, eine andere kann scheinbar Regen machen und in einer weiteren versteckt sich eine Nachtigall in Form einer kleinen Pfeife, die wie der Ruf des Vogels klingt. Mehr als 11.000 Pfeifen haben alle Orgeln des Michel zusammen. Hören kann man einige davon zum Beispiel jeden Tag in der Mittagsandacht um 12 Uhr.
Die Große Orgel
Die Große Orgel auf der Westempore über dem Hauptportal ist ein Schwergewicht. 1962 baute die Orgelbauwerkstatt G. F. Steinmeyer & Co. aus Oettingen in Bayern das imposante Instrument neu. Mit 86 Registern und 6.697 Pfeifen verfügt die Orgel über ein breites stilistisches Spektrum und einen warmen, eleganten Klang. 2009 wurde sie komplett überholt. 2015 kam ein Glockenspiel dazu, das die Große Orgel besonders festlich erklingen lässt.
Foto: Miguel FerrazDie Chor-Orgel
Foto: Michael ZapfAuf der Nordempore steht eine wahre Romantikerin. Der lebendige weiche Klang der 1914 gebauten Chor-Orgel ist ein perfekter Begleiter für sinfonische Aufführungen mit Chor und Orchester. In den Hamburger Bombennächten des Zweiten Weltkriegs wurde die Chor-Orgel beschädigt, später dann umgebaut und dem Zeitgeist angepasst. Bei ihrer Instandsetzung 2009 wurde dann der Originalzustand wieder hergestellt. Mit Erfolg: Die stattliche Orgel mit ihren 42 Registern und 2.671 Pfeifen klingt wieder so romantisch warm wie damals.
Das Fernwerk
Das Fernwerk versteckt sich mit seinen 17 Registern und 1.222 Pfeifen auf dem Dachboden des Michel – hören kann man die Orgel aber im Kirchenraum. Über einen 20 Meter langen Schallkanal auf dem Dachboden werden ihre Töne zu einem Schallloch an der Kirchendecke geführt. Das war schon bei der Original-Orgel von 1912 so, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Neu gebaut und ergänzt war das Fernwerk mit seinem faszinierenden Klang zu Weihnachten 2009 wieder im Michel zu hören. Das geheimnisvolle Fernwerk ist noch für eine weitere Überraschung gut: Das Instrument verfügt über eine Trommel mit Kieselsteinen. Wenn man diese in Gang setzt, klingt es wie prasselnder Regen – mitten im Michel!
Foto: Michael ZapfDer
Zentralspieltisch
Foto: Michael ZapfDas Cockpit für drei Orgeln steht auf der Nordempore: Vom Zentralspieltisch lassen sich die Große Orgel, die Konzert-Orgel und das Fernwerk einzeln und gemeinsam spielen. Möglich wird dies durch eine ausgeklügelte elektronische Technik. So kann der Organist die verschiedenen Klangfarben der Orgeln individuell zusammenführen – wie ein großes Orchester.
Die Carl-Philipp-Emanuel-Bach-
Orgel
Namensgeber für die kleine Orgel auf der Südempore gegenüber der Konzert-Orgel ist der als „Hamburger Bach“ bezeichnete Sohn des großen Johann Sebastian Bach. 2010 gebaut, orientiert sich ihr Klang zwar am Barock, ist mit ihren Möglichkeiten jedoch ein modernes Instrument. Eine ihrer 676 Pfeifen sorgt gelegentlich für eine Überraschung bei ihren Zuhörern: Sie klingt wie der Ruf einer Nachtigall.
Foto: Michael ZapfDie Krypta-Orgel
Foto: Celine FischerImmer wieder finden Gottesdienste, Gedenkfeiern, Konzerte und Veranstaltungen in der Krypta des Michel statt. Begleitet werden sie oft vom farbenreichen Klang der Krypta-Orgel Felix Mendelssohn Bartholdy von 1917. Erst 2008 fand die unscheinbare kleine Orgel mit 435 Pfeifen hier ihr Zuhause – gut verborgen hinter einer schalldurchlässigen Wand. Der frei bewegliche Spieltisch ist elektrisch mit dem Instrument verbunden.
Die Truhenorgel
Die Truhenorgel der niederländischen Orgelbaufirma Klop ist der Neuzugang im Michel. Seit Februar 2017 sorgen die Holzpfeifen der mobilen Orgel für eine neue Klangfarbe. Das kleine Leichtgewicht ist erstaunlich robust: Es lässt sich einfach stimmen und ohne Probleme dorthin transportieren, wo es gerade gebraucht wird.
Foto: Marc FahningFür Gruppen bieten wir im Michel Orgelführungen an. Die Michelkantoren Magne H. Draagen und Jörg Endebrock erklären dem Publikum, welches auf der Konzertempore in der Nähe des Zentralspieltisches sitzt, wie eine Orgel funktioniert, welche unterschiedlichen Klänge sich mit ihr erzeugen lassen und wie die Orgelanlage im Michel gestaltet ist. Selbstverständlich spielen die Organisten auch auf den Orgeln. Die Teilnehmenden können den eindrucksvollen Klang erleben und schauen dem Musiker dabei über die Schultern.

